Angebot schreiben im Handwerk
Veröffentlicht am 30.10.26
Kurz gesagt
Ein gutes Handwerker-Angebot ist kurz, aber eindeutig: Wer, für wen, welche Leistung, welches Material, welcher Preis, welche Zahlungsbedingungen – und eine klare Bindefrist. Denn an dein Angebot bist du grundsätzlich gebunden (§ 145 BGB) [Q2] , bis der Kunde es annimmt [Q1] . Wer keine Frist reinschreibt, kalkuliert im Blindflug, weil Material- und Lohnkosten weiterlaufen. Schreib das Angebot so, dass du es ein halbes Jahr später noch verstehst – dann versteht es der Kunde auch.
1. Warum das Angebot der wichtigste Zettel im Auftrag ist
Das Angebot ist nicht nur ein Preisschild. Es ist die Beschreibung dessen, was du schuldest – und genauso wichtig: was du nicht schuldest. Jeder Streit auf der Baustelle, bei dem es heißt „Das war doch mit drin", geht auf ein unscharfes Angebot zurück.
Rechtlich ist das Angebot eine verbindliche Willenserklärung. Nimmt der Kunde an, steht der Vertrag – ohne dass du nochmal nicken musst. Bis zur Annahme bist du gebunden [Q1] . Das ist kein Grund zur Panik, aber ein Grund, sauber zu formulieren.
Drei Dinge entscheiden, ob aus dem Angebot ein Auftrag wird: - Geschwindigkeit: Wer zuerst ein verständliches Angebot auf dem Tisch hat, gewinnt oft, auch wenn er nicht der Billigste ist. - Klarheit: Der Kunde muss verstehen, was er bekommt – ohne Fachchinesisch, aber mit konkreten Positionen. - Nachvollziehbarkeit: Positionen, Mengen, Einzelpreise. Eine einzige Summe ohne Erklärung macht misstrauisch.
Aus der Praxis
: Aus meiner Erfahrung ist der größte Hebel nicht die Formulierung, sondern der Zeitpunkt. Angebote, die noch in derselben Woche rausgehen, werden deutlich häufiger angenommen als die, die erst am freien Samstag geschrieben werden. Ich sammle deshalb schon beim Ortstermin alles, was ins Angebot muss – Maße, Fotos, Zählerstand, Zugangssituation. Dann ist das Schreiben abends eine Viertelstunde und kein halber Tag.
2. Aufbau – was in jedes Handwerker-Angebot gehört
Der Aufbau ist über alle Gewerke hinweg gleich, egal ob Heizungsbau, Elektro, Trockenbau oder Metall. Von oben nach unten:
- Dein Briefkopf: Firmenname, Rechtsform, Anschrift, Telefon, E-Mail, Steuernummer bzw. Umsatzsteuer-Identifikationsnummer, Bankverbindung.
- Kundendaten: Name und Anschrift des Auftraggebers, bei Firmen die richtige Rechtsform und ein Ansprechpartner.
- Angebotsnummer und Datum: Fortlaufend, damit du später zuordnen kannst.
- Bezugspunkt: „Ihre Anfrage vom …", „nach Ortstermin am …", „Objekt: Musterstraße, 2. OG".
- Leistungsbeschreibung in Positionen: Menge, Einheit, Beschreibung, Einzelpreis, Gesamtpreis.
- Material und Fabrikate: möglichst mit Typenbezeichnung oder „gleichwertig".
- Nebenkosten: An- und Abfahrt, Entsorgung, Gerüst, Kernbohrungen, Kleinmaterial.
- Summen: Nettosumme, Umsatzsteuer, Bruttosumme – oder der Hinweis auf die Steuerschuldnerschaft des Leistungsempfängers, wenn es um Bauleistungen zwischen Unternehmen geht.
- Ausführungszeitraum: „Beginn ca. KW …, Dauer ca. … Arbeitstage nach Terminabstimmung".
- Zahlungsbedingungen: Anzahlung, Abschläge, Zahlungsziel, Skonto.
- Bindefrist: „Dieses Angebot ist gültig bis zum …".
- Unterschrift und Rückmeldefeld: Platz für „Auftrag erteilt am …" mit Unterschrift des Kunden.
Was ins Angebot gehört und was nicht, ist auch eine Abgrenzungsfrage. Schreib einen eigenen Block „Nicht im Angebot enthalten": Malerarbeiten, Elektroanschluss durch den Bauherrn, Schuttentsorgung, Bauwasser und Baustrom. Dieser Block kostet dich drei Zeilen und spart dir später die lange Diskussion.
Aus der Praxis
: Leg dir pro Gewerk eine Textbausteinliste an – Standardpositionen, die du immer wieder brauchst, inklusive der typischen Ausschlüsse. In Monteo hinterlege ich Stundenpreis und Skonto direkt pro Kunde, damit ich beim Angebot nicht jedes Mal in alten Unterlagen suche, welche Kondition für den Stammkunden gilt.
3. Leistungsbeschreibung – so genau wie nötig, so kurz wie möglich
„Heizung erneuern, pauschal" ist kein Angebot, das ist ein Lottoschein. Beschreibe die Leistung so, dass ein Kollege, der nicht dabei war, die Baustelle damit abarbeiten könnte.
Gute Positionen enthalten immer drei Teile: Menge mit Einheit, die Tätigkeit und das Material. Also nicht „Leitungen verlegen", sondern „Verlegen von Mantelleitung NYM-J 3x1,5 auf Putz, inkl. Befestigungsmaterial, ca. 40 lfd. m". Das „ca." ist wichtig, wenn die Menge erst beim Aufmaß feststeht – dann gehört ein Satz dazu, dass nach tatsächlichem Aufmaß abgerechnet wird.
Fotos helfen enorm, vor allem bei Altbau und Sanierung. Ein Bild vom Bestand im Angebot verhindert Diskussionen darüber, in welchem Zustand etwas war.
Häufige Lücken, die später Geld kosten: - Demontage und Entsorgung des Altgeräts - Anfahrt und Rüstzeiten - Stemmarbeiten, Kernbohrungen, Durchbrüche - Inbetriebnahme, Einweisung, Prüfprotokoll - Nacharbeiten durch Fremdgewerke
Aus der Praxis
: Ich erfasse Aufmaß, Fotos und Notizen direkt beim Ortstermin am Handy und hänge sie an den Vorgang – auch ohne Netz im Keller. Was dort landet, wandert eins zu eins in die Positionen des Angebots. Bei Heizung, Therme oder Klimaanlage hängt die Anlagenhistorie mit Fotos am Objekt, sodass beim nächsten Angebot klar ist, was verbaut ist.
4. Bindefrist – wie lange du an deinem Preis hängst
Der Punkt, an dem die meisten Betriebe Geld verlieren. Ein Angebot zum Abschluss eines Vertrags ist grundsätzlich bindend, § 145 BGB [Q2] . Du bist daran gebunden, bis der Kunde es durch einen entsprechenden Auftrag annimmt [Q1] . Ohne eigene Frist gilt: Das Angebot kann nur so lange angenommen werden, wie die Annahme unter regelmäßigen Umständen erwartet werden darf [Q3] . „Regelmäßige Umstände" ist dehnbar – und genau deshalb solltest du es selbst festlegen.
Setz also immer ein konkretes Kalenderdatum ins Angebot, keine schwammige Formulierung. Zwei Sätze reichen:
- „Dieses Angebot ist freibleibend und gültig bis einschließlich [Datum]."
- „Nach Ablauf der Bindefrist behalten wir uns eine Preisanpassung vor, insbesondere bei Material- und Lohnkosten."
Wichtig: Die Frist muss zu deiner Kalkulation passen. Wenn dein Lieferant seine Preise nur kurzfristig zusagt, darf deine Bindefrist nicht länger sein. Bei Projekten mit langem Vorlauf – Neubau, Fördermittel, Genehmigungen – gehört zusätzlich eine Preisgleitklausel oder zumindest der Hinweis rein, dass der Ausführungstermin unter Vorbehalt der Materialverfügbarkeit steht.
Und wenn der Kunde nach Ablauf der Frist doch zuschlägt? Dann ist das rechtlich ein neues Angebot von seiner Seite, das du annehmen kannst – oder eben neu kalkulierst. Genau diese Position willst du haben.
Aus der Praxis
: Trag dir den Ablauf der Bindefrist als Wiedervorlage ein und ruf zwei bis drei Tage vorher an. Dieser eine Anruf bringt mehr Aufträge als jede Preisnachlass-Diskussion – und du erfährst nebenbei, ob der Kunde überhaupt noch im Rennen ist oder längst anders entschieden hat.
5. Muster – ein Angebot zum Nachbauen
So sieht ein schlankes Angebot aus, das für die meisten Gewerke trägt:
Kopf: Firma, Anschrift, Telefon, E-Mail, Steuernummer/USt-IdNr., Bankverbindung Empfänger: Kunde, Anschrift, Ansprechpartner Angebot Nr. 2024-118 | Datum: … | Objekt: … Betreff: Austausch Heizungsumwälzpumpe, Ortstermin vom …
Pos. 1 – 1 Stück – Liefern und Montieren Hocheffizienzpumpe, Fabrikat … oder gleichwertig – Einzelpreis … € – Gesamt … € Pos. 2 – 1 Pauschale – Demontage Altpumpe inkl. fachgerechter Entsorgung – … € Pos. 3 – 1 Pauschale – Entleeren, Befüllen, Entlüften der Anlage, Inbetriebnahme und Einweisung – … € Pos. 4 – 1 Anfahrt – An- und Abfahrt Monteurfahrzeug – … €
Nettosumme … € | zzgl. USt … € | Bruttosumme … €
Nicht enthalten: Arbeiten an der Elektroinstallation, Malerarbeiten, Gerüst. Ausführung: nach Terminabsprache, ca. … Arbeitstage nach Auftragserteilung. Zahlung: nach Abnahme, Zahlungsziel laut Rechnung; Skonto laut Vereinbarung. Gültigkeit: Dieses Angebot ist gültig bis einschließlich [Datum]. Auftragserteilung: Datum, Unterschrift Auftraggeber.
Mehr braucht es nicht. Was du dir sparen kannst, sind Floskeln wie „Wir freuen uns auf eine gute Zusammenarbeit" – entscheidend sind Position, Menge, Preis und Frist.
Aus der Praxis
: Bau dir das Muster einmal sauber als Vorlage und ändere danach nur noch Positionen und Preise. Wer jedes Angebot neu schreibt, baut jedes Mal neue Lücken ein.
6. Vom Angebot zum Auftrag – und dann zur Rechnung
Mit der Annahme durch den Kunden [Q1] beginnt der eigentliche Teil: Termin planen, Material bestellen, Monteure einteilen. Hier verlieren Betriebe die Nachvollziehbarkeit, wenn das Angebot auf dem einen Rechner liegt, die Fotos auf dem Handy und die Stundenzettel im Fahrzeug.
Sinnvoll ist eine durchgehende Kette: Angebot – Auftrag – Dokumentation – Rechnung. Jede Position, die du angeboten hast, solltest du bei der Abrechnung wiederfinden, plus die Nachträge, die unterwegs dazugekommen sind. Nachträge immer schriftlich bestätigen lassen, bevor sie ausgeführt werden – auch per kurzer Mail.
In Monteo liegen alle Aufträge an einem Ort, mit Status, Fotos, Notizen und Kundenhistorie. Die Einsätze teile ich per Drag-and-drop ein, jeder Monteur sieht seinen Tagesplan in der App. Vor Ort werden Aufgaben abgehakt, Fotos angehängt und der Einsatz mit Unterschrift abgeschlossen – auch offline. Aus dem erledigten Auftrag wird anschließend per Klick die Rechnung. Das ist keine Zauberei, aber es verhindert den Klassiker: Leistung erbracht, Rechnung erst vier Wochen später, Hälfte vergessen.
Aus der Praxis
: Lass dir die Übergabe immer direkt vor Ort unterschreiben, solange der Kunde noch da ist. Eine Unterschrift am Küchentisch ist mehr wert als drei Mails hinterher.
Häufige Fragen
Muss ich eine Bindefrist ins Angebot schreiben?
Pflicht ist es nicht, aber sehr zu empfehlen. Ein Angebot ist grundsätzlich bindend (§ 145 BGB) [Q2] , und ohne eigene Frist kann es so lange angenommen werden, wie die Annahme unter regelmäßigen Umständen erwartet werden darf [Q3] . Mit einem konkreten Datum bestimmst du selbst, wie lange dein Preis steht.
Wie lange bin ich an mein Angebot gebunden?
Bis zur Annahme durch einen entsprechenden Auftrag des Kunden [Q1] – beziehungsweise bis zu dem Datum, das du als Gültigkeit angegeben hast. Danach kannst du frei entscheiden, ob du zum alten Preis noch ausführst oder neu kalkulierst.
Was ist der Unterschied zwischen Kostenvoranschlag und Angebot?
Ein Angebot nennt feste Positionen und Preise, auf die du dich festlegst. Ein Kostenvoranschlag ist eine fachmännische Schätzung der voraussichtlichen Kosten. Schreib ins Dokument klar rein, was von beidem du meinst – und bei einem Kostenvoranschlag, dass Abweichungen möglich sind.
Darf ich ein Angebot zurückziehen?
Solange es den Kunden noch nicht erreicht hat, ja. Danach gilt die Bindungswirkung [Q2] , bis der Kunde annimmt [Q1] oder deine Gültigkeitsfrist abgelaufen ist. Deshalb lieber vor dem Versand einmal durchrechnen als hinterher diskutieren.
Muss ich Material und Fabrikat im Angebot nennen?
Rechtlich ist eine konkrete Typenangabe nicht in jedem Fall nötig, praktisch schützt sie dich. Mit „Fabrikat … oder gleichwertig" legst du den Standard fest und hast Spielraum, wenn der Lieferant nicht liefern kann.
Wie bekomme ich Angebote schneller raus?
Beim Ortstermin alles erfassen, was ins Angebot muss – Aufmaß, Fotos, Notizen direkt am Vorgang, auch offline. Kundenspezifische Konditionen wie Stundenpreis und Skonto einmal hinterlegen, statt sie jedes Mal zu suchen. Und mit festen Textbausteinen arbeiten statt mit leerem Blatt.